In Zusammenarbeit mit:
Justus-Liebig-Universität Gießen (JLU)
Angst um Feuersalamander & Co.
Text: Pressestelle der Justus-Liebig-Universität Gießen (JLU)
Die Untersuchungsergebnisse eines gefunden toten Feuersalamanders bestätigen einen schlimmen Verdacht: der Hautpilz mit dem Namen Batrachochytrium salamandrivorans (Bsal) ist in Nordhessen angekommen. Der Hautpilz ist für heimische Feuersalamander tödlich und bedroht auch andere Arten der Schwanzlurche. Bei weiterer Verbreitung droht das Aussterben von spezifischen Arten in Deutschland und Europa.
Expertinnen und Experten vor Ort haben diese Entwicklung schon seit einiger Zeit befürchtet: Bereits seit 2018 fördert das Hessische Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG) ein flächendeckendes Vorwarnsystem zur frühzeitigen Entdeckung von Infektionsherden. Umgesetzt wird dieses bundesweit einmalige Projekt an der Justus-Liebig-Universität Gießen (JLU) von der Arbeitsgruppe Feuersalamander. Nur dadurch konnte nun der aktuelle Hautpilz-Befall im Nationalpark Kellerwald-Edersee frühzeitig an einem toten Feuersalamander nachgewiesen werden.
Das Tier war einer Nationalpark-Rangerin deshalb aufgefallen, weil es körperlich unversehrt schien. Auf den ersten Blick war keine genaue Todesursache erkennbar. Der Totfund wurde umgehend an die „AG Feuersalamander“ der JLU Gießen übergeben, die in zwei Labortests den Hautpilz-Erreger nachweisen konnte. Eine Untersuchung der Haut des Tieres bestätigte den Befund.
Es werden nun weitere Beprobungen im Nationalpark Kellerwald-Edersee stattfinden. Der Nationalpark bietet mit seiner großen unzerschnittenen Kernzone und den vielen Kerbtälern die Chance, dass einzelne Populationen des Feuersalamanders dort geschützt überleben können. Insbesondere vor diesem Hintergrund ist es nun besonders wichtig, dass sich der Pilz nicht weiter ausbreitet.
Wie gefährlich ist der Hautpilz?
Seine Ursprünge hat der Hautpilz Bsal in Asien: Für die dortigen Schwanzlurche ist eine Infektion nicht tödlich, sie sind seit langer Zeit an den Erreger angepasst. Nach Europa gelangte der Pilz vermutlich durch den Import von Molcharten aus Thailand, Vietnam und Japan für den Zoofachhandel.
Im Jahr 2012 wurde der Hautpilz erstmalig in Europa nachgewiesen: in den Niederlanden. Dort sind inzwischen 96 Prozent der einheimischen Feuersalamander im Freiland gestorben. Auch in Belgien, der Eifel und im Ruhrgebiet fielen dem Hautpilz bereits ein großer Teil der Lurche zum Opfer. Es gibt inzwischen auch Nachweise aus Bayern.
Der erste Nachweis, dass der Hautpilz auch auf Hessen übergesprungen ist, erfolgte im Juni 2023 im südhessischen Ober-Ramstadt-Wembach. Hier wurde ein lebendiger Kammmolch positiv auf die Hautkrankheit getestet. Im Februar dieses Jahres erfolgte dann mit mehr als 30 toten Feuersalamandern der zweite Nachweis des Erregers in Hessen nahe der Grenze zu Nordrhein-Westfalen.
Verbreitet sich der Pilz weiter, hätte das verheerende Folgen für die heimischen Salamander und Molche und könnte zum Aussterben des Feuersalamanders und des Kammmolchs führen – nicht nur in Hessen, sondern in ganz Europa. Denn Deutschland kommt aufgrund seines vergleichsweise hohen Vorkommens eine besondere Verantwortung für den gesamteuropäischen Bestand zu. Hessen ist insbesondere in den Mittelgebirgen wegen des Waldreichtums zu großen Teilen von Feuersalamandern besiedelt. Die Amphibienart ist deshalb in den Roten Listen gefährdeter Arten vermerkt und hat im Naturschutz einen hohen Stellenwert.
Citizen-Science-Projekt seit 2018
Nur wenn der Naturschutz das Ausbreitungsgebiet von Bsal genau kennt, kann er Schwanzlurch-Populationen davor schützen, in dem er neue Lösungsansätze schafft oder bestehende Projekte verbessert. Mit dem „Feuersalamander-Meldenetz“ gibt es seit 2018 die Möglichkeit, mehr über die Verbreitung des Salamanders zu erfahren und eine detaillierte und aktuelle Verbreitungskarte für ganz Hessen zu erstellen. Normale Bürgerinnen und Bürger können tote oder krank wirkende Tiere auf der Homepage www.feuersalamander-hessen.de melden. Das ist entscheidend, um die weitere Ausbreitung des Hautpilzes zu verhindern. Anzeichen, die für eine Hautpilzerkrankung sprechen, sind beispielsweise Geschwüre und Lochfraß auf der Haut. Das Citizen-Science-Projekt ist eine Kooperation der JLU mit dem HLNUG sowie der Arbeitsgemeinschaft Amphibien- und Reptilienschutz in Hessen e. V. (AGAR).
Wir alle können eine Ausbreitung verhindern
Für Menschen und ihre Haustiere ist der Hautpilz nicht gefährlich. Und doch sollten Besucherinnen und Besucher des Nationalparks beim Schutz der Feuersalamander mithelfen, in dem sie keine Amphibien anfassen, Wege nicht verlassen und Gewässerränder nicht betreten. Für Hunde gilt im Schutzgebiet eine Leinenpflicht. Außerdem sollten Hunde von Bächen, Uferbereichen und Tümpeln ferngehalten werden. Schuhe sollten – vor allem nach Wanderungen in befallenen Gebieten –gereinigt und getrocknet werden. Insbesondere Naturschützerinnen und Naturschützer und Freilandkartierende müssen auch ihre Ausrüstung wie Kescher und Reusen desinfizieren. Diese Verhaltensregeln dienen dazu, dass die Sporen des Pilzes, welche in Erde und Matsch lange überleben können, nicht über Schuhe oder Hundepfoten weitergetragen werden.
Hinweis für alle Halterinnen und Halter von Amphibien
Wie so oft im Leben gilt: Vorsicht ist besser als Nachsicht. Um eine Ausbreitungen von solchen Krankheitserregern zu vermeiden, ist es wichtig, dass im Zoofachhandel gekaufte Amphibien und deren Nachkommen in privater Haltung grundsätzlich nie im Freiland – auch nicht im Gartenteich – ausgesetzt werden dürfen.
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