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Landeskompetenzzentrum Forst Eberswalde (LFE)

Wald der Zukunft – Teil 2  

Klimafolgen Klimawandel Ökosystemleistungen Waldumbau
Teil des Waldes von morgen: Eine junge Zerreiche im Herbst. Foto: Oliver Eglin / LFE

Interview: querFELDein

Im ersten Teil unseres Interviews sprach Prof. Ralf Kätzel vom Landesbetrieb Forst Brandenburg über den nachhaltigen Waldumbau und warum dieser nicht nur eine Frage nach neuen Baumarten bleiben darf. Nun sprechen wir mit ihm über Praxisanbauversuche, die Suche nach dem richtigen Saatgut und die Rolle von Waldbesitzerinnen und -besitzern bei der Gestaltung der Wälder von morgen.

Herr Prof. Kätzel, wie testen Sie in Deutschland, welche Bäume mit dem Klima der Zukunft zurechtkommen?

Kätzel: Wir verfolgen drei Ansätze. Der erste Ansatz sind klassische Herkunftsversuche. Dazu beschaffen wir Saatgut aus Regionen, deren Klima dem künftigen Klima in Brandenburg möglichst ähnlich ist. Herkunftsversuche decken eine breite genetische Vielfalt ab. Die Anpassungsfähigkeit verschiedener Individuen einer Baumart, die aus unterschiedlichen Herkünften stammen, zeigen sich dann konzentriert unter gleichen Standortbedingungen in Brandenburg. Dabei wird die Anpassungsfähigkeit der Bäume anhand von Parametern wie Mortalität, Wuchsleistung, Befallsgefährdung oder Vitalität bewertet. In der Praxis sind es vor allem Einzelbäume, die dieser Selektion standhalten und die wir zur Vermehrung auswählen. Da es sich aber nur um Einzelbäume handelt, müssen wir darauf achten, dass die genetische Vielfalt nicht zu stark eingeschränkt wird. Es wäre keine gute Lösung, am Ende nur wenige besonders erfolgreiche Bäume auszuwählen und deren Nachkommen großflächig zu vermehren.

Ein weiterer spezieller Weg sind Stressversuche, die wir zumeist als Topfversuche unter kontrollierten Bedingungen durchführen. In Brandenburg sind das vor allem Trockenstressversuche, bei denen einer Gruppe von Bäumen verschiedener Genotypen über mehrere Wochen das Wasser entzogen wird. Die Herausforderung hierbei ist jedoch, dass wir so meist nur einzelne Stressfaktoren untersuchen können. Im Wald wirken jedoch viele verschiedene Belastungen gleichzeitig, was sich nur begrenzt nachbilden lässt. Zudem können wir solche Experimente mit jungen Bäumen ständig wiederholen, bei alten Bäumen dauert es jedoch oft Jahre, bis belastbare Ergebnisse vorliegen. Im Hinblick auf den notwendigen Waldumbau reicht die Zeit für diese Methode also allein nicht aus. Sie zeigt jedoch, in welchem Umfang die Bäume in der Lage sind, bestimmte Stressfaktoren, wie beispielsweise Trockenheit, zu tolerieren.

Deshalb setzen wir zusätzlich auf Praxisanbauversuche im Freiland. Diese verfolgen einen umgekehrten Ansatz zu den Herkunftsversuchen und ergänzen diese somit. Hier werden Bäume derselben Art und Herkunft unter unterschiedlichen Standortbedingungen in ganz Brandenburg getestet. So lassen sich sogenannte Genotyp-Umwelt-Interaktionen am besten untersuchen. Allerdings ist das Untersuchungsprogramm hier deutlich eingeschränkter. Letztlich sind alle drei Ansätze notwendig, um Bäume zu finden, mit denen wir unsere Wälder für die Zukunft bepflanzen können.

Prof. Ralf Kätzel leitet den Fachbereich "Waldökologie & Monitoring" am Landeskompetenzzentrum Forst Eberswalde (LFE). Foto: Neumann / LFE (Hintergrund erweitert mit Adobe Firefly)

Wie finden Sie die Regionen bzw. Herkünfte, aus denen das Saatgut für unsere klimafeste Wälder stammen sollte?

Kätzel: Tatsächlich suchen wir nicht nach einer einzigen Herkunft. Pro Baumart benötigen wir mindestens fünf bis sechs verschiedene Herkünfte, aus genetischer Sicht sogar dreißig oder vierzig. Je größer die genetische Vielfalt, desto besser.

Dabei helfen uns heute eine Vielzahl von Standort- und Klimadaten aus den jeweiligen Verbreitungsgebieten interessanter Baumarten. Die Orientbuche, die eng mit unserer heimischen Rotbuche verwandt ist, kommt beispielsweise in einem großen Gebiet vom Balkan bis in den Iran vor. Dank der Verfügbarkeit von Daten lassen sich aus der Ferne Regionen identifizieren, deren Baumpopulationen für uns besonders interessant sind.

So wichtig diese Forschung auch ist, wir sollten eigentlich jetzt schon mit dem Waldumbau beginnen. Wären die von Ihnen genannten Praxisversuche ein guter Mittelweg?

Kätzel: Absolut. Solche Praxisanbauversuche sind Teil der Lösung, da sie das Spektrum der in unseren Wäldern wachsenden Baumarten erweitern und gleichzeitig wichtige Erkenntnisse liefern. Die wissenschaftlichen Versuchsflächen, auf denen wir geeignete Bäume auswählen, sind jedoch begrenzt. Wenn wir schneller vorankommen wollen, müssen auch Waldbesitzerinnen und -besitzer eigene Versuche durchführen – selbst wenn das Risiko besteht, dass einzelne Anbauten nicht gelingen.

Deshalb ist es wichtig, dieses Risiko abzusichern. Das Prinzip lässt sich mit einem Garten vergleichen: Ich gebe Ihnen eine besondere Tomatensorte zum Ausprobieren. Wenn der Anbau gelingt, können Sie die Tomaten essen und die Pflanzen weitervermehren. Scheitert der Anbau, werden Sie dafür entschädigt. Praxisanbauversuche könnten ähnlich funktionieren.

Praxisanbauversuche setzen vor allem ein Miteinander von Wissenschaft und Praxis voraus. So könnten unterschiedliche Baumarten und Herkünfte auf verschiedenen Böden, in unterschiedlichen Artenmischungen und unter verschiedenen Bewirtschaftungsformen getestet werden. Genau diese Vielfalt ist notwendig, um zu lernen. Dies ist jedoch nur möglich, wenn die vielfältigen Konstellationen auch regelmäßig – zumindest extensiv – ausgewertet werden. So stelle ich mir diesen Forschungsschwerpunkt in den nächsten Jahren vor.

Erfreulicherweise gibt es bereits viele Waldbesitzerinnen und -besitzer, die neue Baumarten wie Zerreiche, Esskastanien, Zedern oder Baumhaseln ausprobieren möchten. Allerdings bereitet mir die unkontrollierte Beschaffung von Saatgut Sorgen. Wir sollten stattdessen geeignetes Saatgut aus geprüften Herkünften organisieren und zur Verfügung stellen.

Wie stellen Sie sicher, dass das Saatgut tatsächlich aus der gewünschten Herkunft stammt?

Kätzel: Ich habe selbst Saatgutbestände, beispielsweise von Traubeneichen, aus verschiedenen europäischen Ländern für Herkunftsversuche in Brandenburg begutachtet. Das klingt zunächst reizvoll, ist aber sehr aufwendig. Wenn gleichzeitig in Griechenland, Rumänien und der Türkei Saatgut gewonnen wird, kann man nicht überall vor Ort sein.

Deshalb sind verlässliche Partner und Kontrollmöglichkeiten wichtig. In einigen Fällen könnten auch genetische Analysen helfen. Mithilfe moderner genetischer Untersuchungen lässt sich die Herkunft von Saatgut heute deutlich besser überprüfen oder zumindest eingrenzen als noch vor dreißig oder vierzig Jahren.

 

Dennoch klingt das nach einem Job, für den viele Hände gebraucht werden. Sind mehr Fachkräfte nötig, um den Waldumbau und die Forschung zu klimafesten Baumarten voranzutreiben?

Kätzel: Natürlich. Hier gibt es viel zu tun und die Zeit drängt. Das Auslaufen der Forschungsförderung über den Waldklimafond, ohne ein adäquates Forschungsprogramm in Deutschland zu installieren, war ein falsches politisches Signal. Auch temporäre Forschungsprojekte müssen immer durch einen stabile und langfristige Ressortforschung begleitet und gesteuert werden.

Hinweis zum Beitrag:

Bei der Erstellung dieses Beitrags kamen KI-Tools für Transkription, Textredaktion und Lektorat zum Einsatz. Die inhaltliche Redaktion erfolgte ausschließlich durch querFELDein sowie den beteiligten Forschenden der Partnerinstitute.

Erschien zuerst im/auf: querFELDein
Institution: Landeskompetenzzentrum Forst Eberswalde (LFE)
Ansprechpartner/in: Prof. Ralf Kätzel

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