In Zusammenarbeit mit: Leibniz-Institut für Agrarentwicklung in Transformationsökonomien (IAMO)
13.04.2022
Ernährungssicherheit Ernährungssouveränität Landwirtschaft

Ernährungspolitische Empfehlungen für Zentralasien und der Kaukasusregion vor dem Hintergrund von COVID-19  

Die Zentralasien und Kaukasus (Central Asia and Caucasus, kurz: CAC) Länder sind acht Staaten, von denen fünf zu Zentralasien und drei zum Südkaukasus gehören. Zu Zentralasien zählen Kasachstan, Kirgisistan, Tadschikistan, Turkmenistan und Usbekistan, zum Kaukasus Armenien, Aserbaidschan und Georgien (hier auf dem Foto). © Svetlbel | Pixabay
Die Zentralasien und Kaukasus (Central Asia and Caucasus, kurz: CAC) Länder sind acht Staaten, von denen fünf zu Zentralasien und drei zum Südkaukasus gehören. Zu Zentralasien zählen Kasachstan, Kirgisistan, Tadschikistan, Turkmenistan und Usbekistan, zum Kaukasus Armenien, Aserbaidschan und Georgien (hier auf dem Foto). © Svetlbel | Pixabay

Text: DANIELA SCHIMMING

Die IAMO-Wissenschaftler Nodir Djanibekov und Thomas Herzfeld untersuchen die Auswirkungen der ersten Pandemiewellen auf die Landwirtschaft, die Ernährungssicherheit und die ländlichen Gemeinschaften in Zentralasien und der Kaukasusregion. Sie zeigen Möglichkeiten auf, wie Resilienz im Agrarsektor während der Erholung in einer Post-COVID-19-Phase verbessert und zukünftige Schocks besser bewältigt werden könnten.

Die voranschreitende COVID-19-Pandemie im Verlauf des Jahres 2020 führte zu einem wirtschaftlichen Rückgang in Zentralasien und der Kaukasusregion – Regionen, die in den vorherigen Jahren hohe Wachstumsraten zu verzeichnen hatten. Nach den ersten Coronafällen ergriffen die Regierungen sofort Maßnahmen, um Todesfälle zu verhindern und eine Überlastung des Gesundheitssystems zu vermeiden. Einschränkungen während des Lockdowns führten zu längeren Stillständen im Gastronomie- und Beherbergungsgewerbe sowie wiederholten Schließungen von Märkten, wodurch der Umsatz im Nahrungsmitteleinzelhandel beeinträchtigt wurde. Die Störung der Nahrungsmittellieferketten und auch Panikkäufe trieben die Lebensmittelpreise in der Region nach oben. Dies gilt insbesondere für Länder, in denen es zu einer Abwertung der Währung kam. Maßnahmen der Regierungen zur Stabilisierung der Lebensmittelpreise waren nur begrenzt erfolgreich.

Die Autoren stellen fest, dass, trotz der Ängste vor katastrophalen Auswirkungen auf die Landwirtschaft, die Agrarproduktion in der Region nicht von der Pandemie oder den Lockdown-Maßnahmen beeinträchtigt war. Vielmehr kam es 2020 im Vergleich zu Vorjahren sogar zu einem Wachstum der Produktion. Die landwirtschaftlichen Erzeuger und Erzeugerinnen profitierten von den günstigen Wetterbedingungen, niedrigeren Input-Preisen für importierte Düngemittel und Dieselkraftstoff sowie der Maßnahme ihrer Regierungen, für Bewegungen im Zusammenhang mit landwirtschaftlichen Aktivitäten während eines totalen Lockdowns, einen „Green Pass“ auszustellen. Die durch die Pandemie bedingte Rückmigration aus anderen Ländern und Städten brachte zusätzliche Arbeitskräfte für die Landwirtschaft und war einer der Schlüsselfaktoren, der den Sektor zu einer Triebkraft des Wirtschaftswachstums machte. Der Handel mit Agrarprodukten in der Region entkam damit größeren Einbrüchen, da sich die Nahrungsmittelexporte nach kurzen Störungen sich schnell erholten.

Eine anhaltende Pandemie bleibt trotzdem ein Risiko für die Entwicklung der Region. Die weltweiten Auswirkungen in Kombination mit einem Rückgang der Öl- und Gasexporte und Rücküberweisungen der Migrantinnen und Migranten können die erwartete Erholung stören und die wirtschaftliche Stabilität unterminieren. Die Region braucht eine verstärkte Resilienz, sowohl Widerstands- als auch Anpassungsfähigkeit ihres Agrar- und Ernährungssektors sowie des ländlichen Raumes für ähnliche Pandemien oder andere Risiken in der Zukunft. Daher empfehlen die Autoren, Exportbeschränkungen zu vermeiden, Handelsmärkte zu diversifizieren, eine stärker wertschöpfende Nahrungsmittelverarbeitung sowie ein effizienteres Ressourcenmanagement für Nahrungsmittelreserven. Des Weiteren wird angeregt in das Potential zurückkehrender Migranten und Migrantinnen sowie zukünftiger Arbeitsmigranten und -migrantinnen zu investieren. Schließlich können zukünftige politische Entscheidungen von der regelmäßigen Erhebung von zusätzlichen Daten, die über die gängigen Produktions- und internationalen Handelsstatistiken hinausgehen, profitieren.

Weitere Informationen

Der IAMO Policy Brief 43 „Food policy measures in response to COVID-19 in Central Asia and the Caucasus: Taking stock after the first year of the pandemic“ ist in der englischen und russischen Sprache erschienen. Die Ausgaben können auf der folgenden Webseite kostenfrei heruntergeladen werden: www.iamo.de/publikationen/iamo-policy-briefs.

Mit den IAMO Policy Briefs bezieht das IAMO aufbauend auf die eigene Forschung zu wichtigen agrarpolitischen Fragen Stellung. In der Publikationsreihe werden verschiedene gesellschaftsrelevante Themen kurz und allgemeinverständlich dargestellt. Zur Zielgruppe zählen insbesondere Entscheidungsträger der Politik, Wirtschafts- und Medienvertreter sowie die interessierte Öffentlichkeit.

Institution: Leibniz-Institut für Agrarentwicklung in Transformationsökonomien (IAMO)
Ansprechpartner/in: Dr. Nodir Djanibekov

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